Unsere Schule - Namenspatron
Wer war dieser Mann? Thomas More (latinisiert: Thomas Morus), um 1477 in London geboren, war Jurist, Schriftsteller und Politiker. Er kam aus einfachen Verhältnissen, studierte Jura in Oxford und London, machte sich bald als Anwalt einen Namen. In England galt er als führender Humanist, war zeitlebens mit Erasmus von Rotterdam, dem bekanntesten Humanisten dieser Zeit, freundschaftlich verbunden und brachte 1516 die staatsphilosophische Schrift „Utopia“ (Nirgendwo) heraus. Er entwarf darin die Utopie eines idealen Staatswesens, die der damaligen Staatskunst und Staatsauffassung einen kritischen Spiegel vorhielt und darauf hinwies, dass der Staat dem Gemeinwohl verpflichtet und nicht „die Melkmaschine der Interessenten“ (N. Blüm) sei. Mit seiner „Utopia“ hat Thomas More einer ganzen Literaturgattung und philosophischen Richtung den Namen gegeben.
Thomas More trat in den königlichen Dienst ein: als Jurist, Diplomat, Parlamentsabgeordneter, Sekretär und königlicher Berater. 1529 machte ihn der englische König Heinrich VIII. zu seinem Kanzler, aber Thomas More gab dieses Amt schon 1532 wieder auf, um nicht die Ehescheidung und Wiederverheiratung des Königs mit der Hofdame Anne Boleyn billigen zu müssen. Trotz oder gerade wegen seines beharrlichen Schweigens nach seinem Rücktritt vom Amt des Lordkanzlers wurde er 1534 im Londoner Tower eingekerkert und schließlich 1535 am Tower Hill hingerichtet, weil er noch immer den Eid verweigerte, durch den sich König Heinrich VIII. als neues Oberhaupt der Kirche von England zu legitimieren suchte.
Thomas More gilt heute nicht nur wegen seiner Gewissenstreue und Tapferkeit als Vorbild, sondern auch wegen seiner Gerechtigkeit, seiner eher bescheidenen, anspruchslosen Lebensführung trotz seiner hohen Ämter, wegen seines Eintretens für gleichrangige Bildung beider Geschlechter im Gegensatz zur zeitgenössischen Auffassung im 16. Jahrhundert.
Für unsere Schule lässt sich daraus die Verpflichtung ableiten, dass nicht nur Fachlehrpläne wichtig sind, sondern dass zu Bildung und Erziehung wesentlich als Grundlage für Gewissensbildung und Toleranz die Schärfung der moralischen Vernunft gehört.