Von Schülern - Aus der Kunst und der Musik
„Ästhetik des Grauens“ war eine der selbst gestellten Aufgabenstellungen der Schülerinnen der Jahrgangsstufe 13.
In der Pausenhalle des Thomas-Morus-Gymnasiums fand die Abschlussausstellung des Grundkurses Kunst statt. Vorgegeben waren nur die Begriffe „Idylle und Horror“, die Konzepte für die einzelnen Arbeiten wurden von den 12 Schülerinnen selber entwickelt und mit viel Kreativität umgesetzt. Je nach eigenen Vorlieben wurde fotografiert, gemalt, gezeichnet oder auch plastisch gearbeitet. Es wurden harmonisch fröhliche Bilder geschaffen, aber vor allem auch mit viel Freude gruselige und grauenerregende Werke geschaffen.
Anregungen für die Werke fanden sich in der Kunstgeschichte, der Literatur oder auch in der Filmgeschichte. Gerade auf dieses moderne Medium wird in der heutigen Kunst gerne Bezug genommen, so auch von Gregory Crewdson, dessen Bildwelten den Anstoß zur Beschäftigung mit diesen Themen gegeben haben.
An der Ausstellung beteiligt waren: Eva Alberternst (Landschaftsbild nach C.D. Friedrich und Salvador Dali / Ölmalerei), Lisa Berkenkötter (Experimentelle Malerei), Christiane Bieckmann und Mandy Yates (Ästhetik des Grauens / Inszenierte Fotografie), Olga Brigmann (Bilder von Idylle und Horror /Malerei, Collage, Assemblage), Katharina Koeper (Illustrationen zu Edgar Allan Poe/ Malerei mit Wasserfarben), Kim Schulte (Kombinationen von Horror und Idylle in Hollywoodfilmen/ Wasserfarben), Annike Seipelt (Wer ist das Monster – ich oder du?/ Plastik nach Motiven von Niki de Saint Phalle), Lina Stahnke (Horror und Idylle in der Landschaft/ Bleistiftzeichnung), Nadine Wienströer (Ängste der deutschen Mittelschicht/ Inszenierte Fotografie) und Bianca Zajonz (Cirque de Soleis meets Horror/ Inszenierte Fotografie).
Horror und Idylle – Vorwort zur Themenstellung
Horror:
Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktion das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der Unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.
Idylle:
Idylle bezeichnet harmonisch verklärte ‚schön gemachte’ Wirklichkeit. Man meint damit meist Bilder oder Zustände, die auf den Betrachter beschaulich oder friedlich wirken.
Horror und Idylle stellen einen Gegensatz dar, die Begriffe werden in einfacher Form häufig in der Trivialliteratur und -ästhetik thematisiert. Dieses Anstoßen positiver oder negativer Gefühle ist natürlich auch für die klassische Kunstgeschichte von Bedeutung.
Gerade das Unheimliche und Bedrohliche verbindet sich in der Kunst immer auch mit dem Unbewussten, mit dem Schlaf der Vernunft, wie sie Goya thematisiert hat.
Für unsere heutige Seherfahrung ist die Filmgeschichte mit ihren vielen berühmten und weniger berühmten Beispielen ein noch präsenterer Bezugsrahmen.
Gerade auf diese modernen Medien wird in der heutigen Kunst gerne Bezug genommen, so auch von Gregory Crewdson, dessen Bildwelten den Anstoß zur Beschäftigung mit diesen Themen gegeben haben.
Die zentrale Problemstellung bestand nicht darin, mit einer bestimmten Technik zu arbeiten oder sich mit einer bestimmten Ästhetik zu beschäftigen, sondern ein eigenständiges Konzept zu entwickeln, das zum Thema passt, jedoch auch zur eigenen Person und zu den eigenen Fähigkeiten und Vorstellungen.
Es musste ein Thema gefunden, eine Technik gewählt, auftretende Schwierigkeiten beseitigt und das eigene Vorgehen reflektiert werden.
Dies ist allen gelungen und dabei ist eine interessante Fülle unterschiedlicher Möglichkeiten entstanden.
Ausgangspunkt der Arbeiten konnten der Umgang mit einer bestimmten Technik, die Beschäftigung mit künstlerischen, literarischen oder populärkulturellen Vorlagen, soziologische Untersuchungen, selbst durchgeführte Umfragen oder persönliche Vorstellungen sein.
Kunst verbindet immer intuitives Vorgehen mit Reflexion. Welcher dieser beiden Pole Ausgangspunkt ist und wie diese Anteile gewichtet werden, ist immer auch vom Naturell der jeweiligen Person abhängig.
Horror und Idylle in den Arbeiten Gregory Crewdsons
Gregory Crewdson ist zeitgenössischer Künstler und Fotograf. Seine Bilder sind offensichtlich keine Schnappschüsse, sondern aufwändig inszeniert. Dabei arbeitet er mit einer großen Crew und sein Aufwand ist dem einer Hollywoodproduktion vergleichbar.
Er stellt den Betrachter vor Rätsel, deutet eine Geschichte an, eine wirkliche Auflösung gibt es nicht, häufig gibt es sogar einzelne Motive, die bewusst von einer eindeutigen Interpretation ablenken.
Die Vieldeutigkeit resultiert auch daher, dass er in seinen Bildern auf andere Bildwelten anspielt. Beim vorliegenden Beispiel wird der Betrachter an amerikanische Film- oder Fernsehproduktionen erinnert, an melodramatische Liebesfilme, an Soapoperas mit Frauen, die in jeder Situation perfekt gestylt sind, an Krimis mit schönen Frauenleichen und an Katastrophenfilme. Er verweist aber mit seiner unwirklichen Beleuchtung und surrealen und unheimlichen Anspielungen auch auf bestimmte Regisseure wie Alfred Hitchcock, David Lynch oder Steven Spielberg.
Neben dieser modernen Ikonografie spielt jedoch auch die klassische Ikonografie eine Rolle, das Bild enthält Vanitassymbole und lässt an die Geschichte von Ophelia denken. So ist die Deutung der einzelnen Bilder auch immer von dem Erfahrungshorizont des Betrachters abhängig.
Doch bei aller Vieldeutigkeit des einzelnen Bildes verbindet seine Bilder jedoch ein erkennbares Thema. Er greift die Idylle amerikanischer Kleinstädte oder Vororte auf und stört sie mehr oder weniger offensichtlich.
Hinter der angestrebten perfekten Fassade des Mittelstandes verbergen sich häufig dunkle Seiten und Ängste. Ein Thema, das sicher nicht nur die amerikanische Gesellschaft betrifft.
Der Horror oder das Unheimliche wird häufig durch surreale Andeutungen deutlich, so verweist der Künstler auch auf die Bereiche der Phantasie, des Traums und des Unbewussten.
Katharina Blömer